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Vor Jahren hatte die Heilsarmee in London ihre eigene Blechinstrumentenfabrik. Um einige Informationen über diese Fabrik zu erhalten, führte das Heilsarmee Museum Basel ein Gespräch mit William Scarlett. Doch zuerst wollen wir ihn vorstellen.
William Scarlett, aus Chicago, USA beschäftigte
sich ein Leben lang mit Blasmusikinstrumenten. Hineingeboren in eine
Heilsarmeefamilie, mit Wurzeln in Grossbritannien, lernte er schon
in jungen Jahren Kornett spielen. Er ging auf die Universität
um Musik (Trompete) zu studieren, arbeitete in Chicago bei einem Trompetenhersteller
und trat schliesslich den Trompetenbläsern des Chicago Symphony
Orchesters bei, denen er während 33 Jahren angehörte. Sein
Steckenpferd ist seit Jahren das Restaurieren von alten Instrumenten,
das Nachforschen nach frühen Instrumentenbauern und das Sammeln
von Belegexemplaren dieser Hersteller. In den Vereinigten Staaten
von Amerika führte er eine Reihe von Ausstellungen über
Instrumentenhersteller der Anfangszeit durch und ist angesehener Fachmann.
In den letzten Jahren haben sich seine Nachforschungen auf die Geschichte
der Heilsarmee-Instrumentenfabrik in St. Albans (GB) konzentriert. |
Bill, kannst du etwas über die Entwicklung
der Fabrik zur Herstellung von Heilsarmee Blasinstrumenten erzählen
und wo diese Fabrik zu finden war?
Im Mai 1889 eröffnete die Heilsarmee im Internationalen Hauptquartier (IHQ) in London einen Laden für die Reparatur von Blasinstrumenten mit zwei erfahrenen Blasinstrumentenbauer und einem 16 Jahre alten Burschen. Innerhalb von wenigen Jahren begannen diese, einige Instrumente unter Verwendung von Teilen anderer Zulieferer herzustellen. 1893 stellte dieser Laden sein erstes Kornett in vollständiger Eigenfertigung her und nannte das Modell "OUR OWN MAKE ", was soviel heisst wie "unser Selbstgemachtes". Darauf folgte 1896 das Modell "TRIUMPH". |
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"The Bandmaster", eines der Hauptmodelle,
hergestellt durch die Heilsarmeefabrik.
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Bereits 1896
konnte der Laden alle Blechinstrumente selber herstellen. General
Booth, der Heilsarmee-Gründer, forderte, dass alle Heilsarmeekapellen
ihre Instrumente von dieser wachsenden Fabrik beziehen mussten. Die
Zahl der Arbeiter wuchs und die Arbeitstätte musste mehrmals
umziehen um mehr Platz für die Herstellung der Instrumente zu
erhalten. Die Heilsarmee errichtete 1901 ein Fabrikgebäude nördlich
von London in St. Albans, welches bis zur Schliessung des Betriebes
gebraucht wurde.
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Welcher
Name hatte diese Fabrik?
The Campfield Musical Instrument Works. Aber keine Instrumente mit
dieser Namensbezeichnung wurden gefunden.
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War die
Fabrik eingebunden in ein Sozialprogramm für Obdach- oder Arbeitslose?
Es ist möglich, dass einige angestellt wurden,
aber für das Herstellen der Instrumente braucht es jahrelange
Übung und Erfahrung um fachmännische Arbeit leisten zu können.
Welche Art von Instrumenten wurden in
der Heilsarmeefabrik produziert?
Die Fabrik stellte Instrumente her wie sie in einer normalen Britischen Brass Band benutzt werden, obwohl in den frühen Jahren auch Bb Taschenkornette und eine patentierte Eb Bassposaune hergestellt wurden. Neben den Hauptmodellen mit den Namen "OUR OWN MAKE", "TRIUMPH", "TRIUMPHONIC" and "BANDMASTER", gab es für eine kurze Zeitspanne andere Modelle, speziell hergestellt für Jugendkapellen oder spezielle Gelegenheiten. |
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Der Stempel auf diesem Kornett zeigt, dass
dieses Instrument vor 100 Jahren hergestellt wurde, während
sich die Fabrik an der Fortess Road (London, UK) befand.
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Du
hast für einen Trompetenhersteller aus Chicago gearbeitet und
du hast viele Instrumente restauriert. Wie werden Blechinstrumente
hergestellt? Benötigt man dazu Maschinen oder ist alles Handarbeit?
Über dieses Thema wurden schon Bücher
geschrieben. Kurz: Hersteller kaufen Blech in Tafeln, Stangen und
Rohre und bearbeiten diese viele Male. Jedes Verändern des Materiales
durch schneiden, biegen, runden, verlöten, Gewinde schneiden
oder andere Anpassungen bilden einen Arbeitsgang. Es braucht über
1'200 Arbeitsgänge um ein Kornett herzustellen! Viele dieser
Arbeitsgänge können mit Maschinen gemacht werden, aber viel
handwerkliche Arbeit ist nötig, sogar bei den in Massen produzierten
heutigen Instrumenten. |
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Bill,
weißt du, ob an den Heilsarmeeinstrumenten etwas besonderes
war?
William Booth wollte, dass die Heilsarmee selber
herstellte, was sie zu ihrer Arbeit benötigte. Als er begann
Brass Bands zu gebrauchen, war deren Mission die Massen in der Öffentlichkeit
anzuziehen und im Gottesdienst mitzuhelfen. Gelegentlich war die Strasse
gefährlich und die Mitglieder der Kapellen und deren Instrumente
wurden grob behandelt. Heilsarmeeinstrumente sind aus dickerem Metall
gefertigt um diesem Missbrauch zu widerstehen und eine stärkere
Silberbeschichtung wurde auf der Oberfläche aufgetragen um länger
zu halten.
Wurden die Instrumente dieser Fabrik
nur an Mitglieder der Heilsarmee verkauft? Was ist bekannt über
die Qualität der Instrumente?
Nach allem was man hört, war die Fabrik
immer hinter den Bestellungen der Heilsarmee-Bands aus aller Welt
zurück. Darum ist es nicht sehr wahrscheinlich, dass Instrumente
ausserhalb der Heilsarmee verkauft wurden. Wie auch immer, ein früherer
Arbeiter dieser Fabrik erzählte mir, dass sie nach dem Zweiten
Weltkrieg einige Instrumente für die Britische Flugwaffe hergestellt
haben.
Zu Beginn des 20 Jahrhunderts gab es viele geschriebene Vermerke von
Musikern der Heilsarmee. Diese sagen aus wie leicht es sei, die Instrumente
zu spielen, wie gut sie waren, und so weiter. Heutzutage im Gespräch
mit älteren Musikern, welche die Instrumente früher gespielt
haben, scheint es eine verbreitete Einschätzung zu sein, dass
der Klang der Instrumente hätte besser sein können. Es muss
aber festgehalten werden, dass dies auch für Instrumente anderer
Hersteller gilt.
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Du
hast herausgefunden, dass die Fabrik in 83 Jahren nur 34'000 Instrumente
herstellte. Was geschah mit der Fabrik?
Nach dem Zweiten Weltkrieg modernisierten die kommerziellen
Hersteller von Blechinstrumenten ihre Fabriken. Die Heilsarmee beschloss
nicht mitzufolgen. Die Konkurrenz konnte folglich Instrumente besser
und billiger herstellen. Damit blieb die Heilsarmee hinter dem Markt
zurück. In den 60er Jahren begann die Fabrik wegen dieser Situation
Geld zu verlieren. Ich kann mir verschiedenste Gründe vorstellen,
warum die Entscheidung getroffen wurde die Fabrik zu schliessen.
1. Der ursprüngliche Bedarf für
den schnell expandierenden Heilsarmeemarkt fand ein Ende.
2. Die Heilsarmee hatte keine Entwicklungsabteilung,
um die Instrument zu verbessern wie das ihre Konkurrenten hatten.
3. Die Heilsarmee beschloss, keine grösseren
Geldbeträge in die Modernisierung zu stecken.
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Auch die schweizer Heilsarmee verkaufte in
der Vergangenheit verschiedene Instrumente, sie hatte jedoch keine
eigene Fabrik. Der Stempel solcher Instrumente zeigt das Wappen
der Heilsarmee und jeweils in deutscher und französischer Sprache
das Wort "Handelsdepartement"
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4. Die Konkurrenz
hatte oft eine Führung, die hart an der Verbesserung ihrer Produkte
arbeitete, um erfolgreich zu sein. Die Heilsarmee hatte nur einen
befehlenden Offizier des Hauptquartiers, welcher einmal pro Woche
die Fabrik besuchte während die Arbeiter fortfuhren, in der gleichen
Art Instrumente herzustellen wie seit Jahrzehnten.
5. Die Konkurrenz machte bessere Instrumente
für weniger Geld. Die Heilsarmee Kapellen konnten leicht gute
Instrumente von anderen Herstellern kaufen. |
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Die Fabrik
in St. Albans schloss 1972 ihre Tore mit der Vereinbarung mit "Boosey
and Hawkes" zur Fortführung der Produzierung des "Bandmaster"-Kornetts
and des "Triumphonic"-Tenorhorns für die Heilsarmee
bis 1979. Wir werden immer die Frauen und Männer schätzen,
welche verbunden waren mit diesem farbenreichen Teil der Heilsarmeegeschichte
und dem Beitrag, den sie zur Geschichte der Heilsarmeekapellen beigetragen
haben.
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| Vielen
herzlichen Dank für deine Antworten und interessanten Ausführungen.
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